Stellaratoren sind seit Jahrzehnten mit einem ungewöhnlichen Widerspruch verbunden. Aus physikalischer Sicht bieten sie mehrere Eigenschaften, die für ein künftiges Fusionskraftwerk besonders wertvoll sein könnten: Sie können Plasma einschließen, ohne auf einen starken elektrischen Strom im Plasma selbst angewiesen zu sein, eignen sich grundsätzlich für einen lang andauernden Betrieb und vermeiden einige der störenden Ereignisse, die den Betrieb von Tokamaks erschweren. Ihre größte Schwäche lag traditionell weniger in der grundlegenden Physik als vielmehr in der technischen Umsetzung. Um das sorgfältig verdrillte Magnetfeld eines Stellarators zu erzeugen, musste das Plasma häufig von großen, dreidimensional geformten supraleitenden Spulen umgeben werden, deren Entwicklung, Herstellung und Montage äußerst anspruchsvoll waren. Im Jahr 2026 wird dieses Problem zunehmend anders angegangen. Neue Optimierungsverfahren, Hochtemperatursupraleiter und bei einigen Projekten flache beziehungsweise planare Magnetspulen werden nicht mehr getrennt voneinander entwickelt, sondern als zusammenhängendes System betrachtet. Noch handelt es sich nicht um kommerziell einsatzbereite Fusionsreaktoren, doch die Herangehensweise an Stellaratoren verändert sich deutlich: Statt die Komplexität der Magnetspulen als unvermeidbar hinzunehmen, werden Plasma und Magnetsystem zunehmend unter realistischen Bedingungen für Fertigung, Wartung und späteren Kraftwerksbetrieb entwickelt.
Ein Stellarator hält extrem heißes Plasma mithilfe eines Magnetfeldes fest, das sich verdreht um eine ringförmige Kammer legt. Das grundlegende Ziel ähnelt dem eines Tokamaks: Das Plasma muss lange genug von den materiellen Wänden ferngehalten werden und dabei eine ausreichend hohe Temperatur und Dichte erreichen, damit nutzbare Fusionsreaktionen möglich werden. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie die benötigte Magnetfeldgeometrie erzeugt wird. Ein Tokamak erzeugt einen Teil seines Magnetfeldes durch einen starken elektrischen Strom, der durch das Plasma selbst fließt. Ein Stellarator kann das einschließende Magnetfeld dagegen überwiegend mit externen Magneten erzeugen. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, dauerhaft einen großen Plasmastrom aufrechtzuerhalten, und zugleich sinkt das Risiko schwerer strombedingter Instabilitäten, wie sie bei Tokamaks auftreten können. Grundsätzlich macht dies den Stellarator besonders interessant für ein Kraftwerk, das kontinuierlich statt in wiederholten Pulsen arbeiten soll. Der Preis dafür besteht jedoch darin, dass die äußeren Magnete eine wesentlich kompliziertere Magnetfeldform mit sehr hoher Genauigkeit erzeugen müssen.
Wendelstein 7-X in Greifswald ist weiterhin das deutlichste Beispiel dafür, wie weit dieser Ansatz bereits entwickelt wurde. Sein supraleitendes Magnetsystem erzeugt ein komplex geformtes Magnetfeld um eine Plasmakammer, die sich deutlich von der einfacheren kreisförmigen Form vieler Tokamaks unterscheidet. Die Anlage hat gezeigt, dass ein solches Magnetfeld mit ausreichender Präzision gebaut werden kann und dass ein optimierter Stellarator Hochtemperaturplasma auf einem Niveau einschließen kann, das für diesen Reaktortyp lange Zeit als schwierig galt. Während der Versuchskampagne 2025 hielt Wendelstein 7-X einen Rekordwert des für die Fusion wichtigen Tripelprodukts über einen Zeitraum von 43 Sekunden aufrecht. Eine im Juli 2026 veröffentlichte, begutachtete wissenschaftliche Arbeit berichtete zudem über Leistungswerte auf Tokamak-Niveau bei stabilen Plasmen mit erhöhter Dichte im Zentrum. Nach einer Wartungsphase sollte der experimentelle Betrieb im September 2026 wieder aufgenommen werden. Langfristig soll die Anlage zeigen, dass leistungsfähiges Plasma über wesentlich längere Zeiträume stabil betrieben werden kann.
Diese Ergebnisse verändern die technische Fragestellung. Die Stellaratorforschung muss heute nicht mehr nur beweisen, dass komplexe Magnetfelder grundsätzlich funktionieren. Wendelstein 7-X hat starke experimentelle Hinweise darauf geliefert, dass eine optimierte Konfiguration eine hochwertige Plasmaeinschließung ermöglichen kann. Die entscheidende Frage lautet inzwischen, wie aus diesem wissenschaftlichen Erfolg eine Maschine entstehen kann, die sich wirtschaftlich und reproduzierbar bauen lässt. Ein kommerzieller Reaktor würde Magnete benötigen, die mit zuverlässigen Toleranzen gefertigt, geprüft, eingebaut, gekühlt, gewartet und bei Bedarf ersetzt werden können, ohne dass die gesamte Anlage dadurch unverhältnismäßig kompliziert wird. Gleichzeitig muss genügend Platz für Neutronenabschirmung, ein Brutblanket in einem Deuterium-Tritium-Reaktor, Heizsysteme, Diagnostik sowie Anlagen zur Abfuhr von Wärme und Teilchen vorhanden sein. Das Spulendesign beeinflusst daher weit mehr als nur die Qualität des Magnetfeldes. Es wirkt sich unmittelbar auf Größe, Kosten, Wartbarkeit und Bauweise nahezu aller wesentlichen Komponenten eines Stellarators aus.
Einer der deutlichsten Ansätze zur Vereinfachung des klassischen Stellarator-Magnetsystems ist das Konzept planarer Spulen, an dem Thea Energy arbeitet. Statt jede einzelne Formspule entlang eines komplexen dreidimensionalen Verlaufs zu führen, sieht das geplante Helios-Kraftwerkskonzept zwei Gruppen flacher supraleitender Magnete vor. Zwölf große umlaufende Spulen sollen das grundlegende Magnetfeld erzeugen, während 324 kleinere Formspulen dieses Feld lokal verändern sollen. Jede dieser Formspulen kann individuell angesteuert werden. In den 2026 veröffentlichten Helios-Studien werden diese Spulen als kreisförmig, planar und wiederholbar beschrieben, anstatt Hunderte völlig unterschiedlicher dreidimensionaler Bauteile zu verwenden. Die entscheidende Veränderung besteht nicht darin, dass das Magnetfeld selbst einfach wird. Das Plasma benötigt weiterhin ein präzise geformtes dreidimensionales Magnetfeld. Die Komplexität verschiebt sich jedoch teilweise von der physischen Form der Magnete hin zu deren Anordnung, elektrischer Steuerung und rechnergestützter Optimierung.
Dieses Konzept erreichte im Mai 2026 einen wichtigen technischen Meilenstein, als Thea Energy über den erfolgreichen Betrieb seiner ersten Formspule in voller Eos-Größe bei den vorgesehenen Strom- und Magnetfeldbedingungen berichtete. Eos ist der geplante integrierte Stellarator des Unternehmens und soll den Ansatz erproben, bevor ein Kraftwerkskonzept wie Helios umgesetzt werden kann. Dieses Ergebnis bedeutet noch nicht, dass Eos bereits Fusionsplasma erzeugen kann oder dass Helios künftig Strom produzieren wird. Es zeigt jedoch, dass eine der zentralen Magnetkomponenten in relevanter Größe hergestellt und unter vorgesehenen Bedingungen betrieben werden kann. Das US-Energieministerium dokumentierte im September 2026 zudem ein Projekt zur Weiterentwicklung des Fertigungsverfahrens für planare Formmagnete. Dazu gehören eine Pilotfertigungslinie und eine geplante Serie von 100 Magneten. Dieser Schritt ist wichtig, denn ein Konzept mit vielen wiederholbaren Spulen bietet nur dann einen wirklichen Vorteil, wenn sich diese Komponenten tatsächlich gleichbleibend und in größeren Stückzahlen fertigen lassen.
Planare Spulen könnten außerdem verändern, wie Fertigungsabweichungen behandelt werden. Bei einem klassischen Stellarator kann bereits eine kleine Abweichung in Position oder Form einer spezialisierten dreidimensionalen Spule das Magnetfeld verzerren und nach der Montage nur schwer korrigierbar sein. Eine große Zahl individuell ansteuerbarer Formspulen bietet eine weitere Möglichkeit: Kleine Abweichungen des Magnetfeldes können durch angepasste Ströme in einzelnen Spulen elektrisch korrigiert werden. Das bedeutet nicht, dass präzise Fertigung überflüssig wird, und flache Spulen sind nicht automatisch kostengünstiger. Hunderte supraleitende Magnete benötigen eigene Halterungen, elektrische Anschlüsse, Kühlsysteme, Leistungselektronik und Schutzmechanismen. Dennoch ähnelt die technische Aufgabe stärker der Produktion einer Serie wiederholbarer Industriekomponenten. Bei der Fusion, wo Baukosten und Wartbarkeit letztlich ebenso entscheidend sein können wie maximale Plasmaleistung, könnte diese Veränderung wichtiger werden als eine bloße Steigerung der Magnetfeldstärke.
Die zweite bedeutende Entwicklung ist der zunehmende Einsatz von Hochtemperatursupraleitern, kurz HTS. Der Begriff kann irreführend sein, da auch diese Materialien weiterhin bei sehr niedrigen Temperaturen betrieben werden müssen. Sie können jedoch bei höheren Temperaturen als viele klassische Supraleiter arbeiten und unter geeigneten Bedingungen sehr hohe Ströme sowie stärkere Magnetfelder verkraften. Für Entwickler von Stellaratoren eröffnet dies neue Möglichkeiten. Ein Reaktor könnte kompakter gebaut werden, zwischen Plasma und Spulen könnte zusätzlicher Raum entstehen oder die Magnetfeldkonfiguration könnte angepasst werden, ohne sofort an die Belastungsgrenzen des Leitermaterials zu stoßen. Proxima Fusion setzt HTS-Technologie in seiner Stellarator Model Coil, kurz SMC, ein. Diese großformatige nicht-planare Stellaratorspule befand sich 2026 in der Fertigung und soll als technischer Nachweis für ein späteres größeres Stellaratorprogramm dienen. Nach Angaben des Unternehmens sind Tests beim französischen Forschungszentrum CEA Saclay bis Ende 2027 vorgesehen, bevor die Technologie im größeren Alpha-Stellarator eingesetzt werden soll.
Type One Energy verfolgt einen anderen Weg, der ebenfalls Stellaratoroptimierung mit HTS-Magneten verbindet. Das Projekt Infinity One in Tennessee soll nicht-planare Hochtemperatur-Supraleitermagnete verwenden, anstatt dreidimensionale Spulen vollständig durch ein planares System zu ersetzen. Das Unternehmen nennt 2029 als vorgesehenen Zeitraum für Inbetriebnahme und Start von Infinity One. Dabei handelt es sich nicht um einen kommerziellen Reaktor zur Stromerzeugung, sondern um einen Prototypen, mit dem technische Risiken reduziert sowie Fertigungs- und Betriebserfahrungen gesammelt werden sollen. Das nachfolgende Konzept Infinity Two wird dagegen als Fusionskraftwerk mit einer geplanten elektrischen Leistung von 400 MW entwickelt. Diese Projekte zeigen, weshalb es 2026 keine einheitliche Antwort auf das Spulenproblem des Stellarators gibt. Einige Entwickler wollen die Geometrie der Spulen grundlegend vereinfachen, während andere weiterhin geformte Spulen einsetzen und deren Nachteile mit stärkeren Supraleitern, verbesserten Fertigungsverfahren und fortschrittlicherer rechnergestützter Auslegung verringern.
Auch die rechnergestützte Optimierung hat sich schnell weiterentwickelt. Eine Stellaratorspule lässt sich nicht einfach dadurch konstruieren, dass ein Computer ausschließlich nach dem genauesten Magnetfeld sucht. Eine mathematisch ideale Spule könnte zu stark gekrümmt sein, sich nicht sinnvoll herstellen lassen, mit anderen Bauteilen kollidieren, übermäßigen mechanischen Kräften ausgesetzt sein oder zu wenig Raum für Wartungsarbeiten lassen. Im August 2026 veröffentlichten Forschende des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik und US-amerikanischer Einrichtungen in Physical Review Letters und Physical Review E einen neuen Optimierungsansatz auf Grundlage einer sogenannten Augmented-Lagrangian-Methode. Das Verfahren wurde an fünf unterschiedlichen Stellarator-Konfigurationen demonstriert und soll bessere Kompromisse zwischen magnetischer Genauigkeit und praktischen technischen Grenzen finden. Für Nichtfachleute lässt sich die Bedeutung einfach zusammenfassen: Computer können zunehmend nicht nur Spulen berechnen, die theoretisch ein gutes Magnetfeld erzeugen, sondern auch Konstruktionen vorschlagen, die wesentlich näher an real herstellbaren Reaktorkomponenten liegen.
Frühere Stellaratorprojekte folgten häufig einer schwierigen Reihenfolge. Zunächst entwickelten Physiker eine Plasmaform mit möglichst guten Einschlussbedingungen, anschließend mussten Ingenieure herausfinden, wie sich die dafür notwendigen Magnete überhaupt bauen lassen. Wenn die resultierenden Spulen zu kompliziert waren, zu dicht beieinander lagen oder unzulässigen Kräften ausgesetzt gewesen wären, musste der Entwurf mehrfach angepasst werden. Neuere Verfahren verbinden diese Entwicklungsstufen zunehmend miteinander. Bei der 2026 vorgestellten Helios-Entwicklung kommen beispielsweise einstufige Optimierungsverfahren zum Einsatz, die Plasma-Gleichgewicht und planare Spulen gemeinsam berücksichtigen. Damit soll verhindert werden, dass eine physikalisch attraktive Plasmaform nur durch praktisch kaum umsetzbare Hardware erzeugt werden kann. Ähnliche Ansätze werden inzwischen in der gesamten Stellaratorforschung verfolgt. Spulenkrümmung, Abstand zum Plasma, Qualität des Magnetfeldes und verfügbarer Bauraum werden zunehmend von Beginn an als zusammenhängende Anforderungen betrachtet.
Auch die Tragstrukturen der Magnete werden Teil dieses Optimierungsprozesses. Leistungsstarke supraleitende Spulen sind enormen elektromagnetischen Kräften ausgesetzt, und mit steigender Magnetfeldstärke kann ihre mechanische Abstützung genauso anspruchsvoll werden wie der Supraleiter selbst. Eine Studie aus dem Jahr 2026 untersuchte die Tragstruktur eines Stellarator-Magnetsystems mit zehn Tesla und nutzte Topologieoptimierung, um die berechnete Strukturmasse von etwa 11,3 Tonnen auf rund 1,2 Tonnen zu reduzieren, während die vorgegebenen mechanischen Grenzwerte des Modells eingehalten wurden. Dieses Ergebnis bezieht sich auf eine bestimmte Designstudie und bedeutet nicht, dass die Tragstruktur jedes Stellarators im gleichen Verhältnis leichter werden kann. Die Untersuchung zeigt jedoch ein grundlegendes Prinzip: Die Leistungsfähigkeit der Magnete kann nicht unabhängig von den Stahl- oder anderen Strukturen betrachtet werden, die sie unter Belastung in Position halten. Künftige Konstruktionen müssen Leiter, Tragwerk und Magnetfeldgeometrie zunehmend als zusammenhängendes System optimieren.
Gerade für HTS-Materialien ist dies besonders wichtig, denn sehr starke Magnetfelder bringen praktische Belastungsgrenzen mit sich, die sich auch durch bessere Software nicht umgehen lassen. Supraleitende Bänder müssen vor zu hohen mechanischen Spannungen geschützt werden. Verbindungen zwischen Leitern müssen große Ströme zuverlässig übertragen. Kühlsysteme müssen Wärme abführen, und die Magnete müssen ungewöhnliche Betriebszustände überstehen können, bei denen ein Teil des Supraleiters seine supraleitenden Eigenschaften verliert. Dieser Vorgang wird als Quench bezeichnet. In einem Fusionskraftwerk müssten die Spulen zudem über Jahre hinweg in unmittelbarer Nähe zu Komponenten arbeiten, die energiereichen Neutronen ausgesetzt sind. Eine höhere Magnetfeldstärke ist deshalb nur dann sinnvoll, wenn das komplette Magnetsystem langfristig zuverlässig bleibt. Die überzeugenderen Konzepte des Jahres 2026 berücksichtigen diese Realität zunehmend. Strukturmechanik, Kühlung, elektrische Schutzsysteme, Wartungszugang und Fertigbarkeit werden früher in den Entwicklungsprozess einbezogen, anstatt lediglich die Stärke des Magnetfeldes als Maßstab für Fortschritt zu betrachten.

Wenn sich die neuen Magnetkonzepte bewähren, könnte ihr größter Einfluss weniger auf die eigentliche Fusionsreaktion als vielmehr auf den Bau der Anlagen liegen. Die physikalische Reaktion wird nicht einfacher, nur weil eine Spule flach ist oder ein Optimierungsalgorithmus bessere Ergebnisse liefert. Deuterium und Tritium müssen weiterhin auf extreme Temperaturen erhitzt werden, ihre Energie muss ausreichend lange eingeschlossen bleiben und der Reaktor muss enorme Wärme- und Neutronenbelastungen beherrschen. Was sich verändert, ist die technische Umgebung des Plasmas. Ein Reaktor, der aus wiederholbaren Magnetmodulen aufgebaut wird, könnte stärker auf industrielle Serienfertigung, standardisierte Qualitätskontrolle und planbare Austauschverfahren setzen. Eine geringere Zahl extrem spezialisierter Einzelteile würde außerdem den Aufbau zusätzlicher Fertigungskapazitäten erleichtern. Dieser Unterschied ist entscheidend, denn eine experimentelle Forschungsanlage kann auf maßgeschneiderte Komponenten und langwierige Montageprozesse angewiesen sein, während dies für eine größere Zahl kommerzieller Kraftwerke kaum praktikabel wäre.
Aktuelle Kraftwerksstudien zeigen, wie unmittelbar die Wahl des Magnetsystems den gesamten Anlagenentwurf beeinflusst. Die 2026 veröffentlichten Vorstudien zu Helios beschreiben eine Anlage mit einem Hauptradius von ungefähr acht Metern, einem Magnetfeld von sechs Tesla auf der Plasmaachse sowie einem Energiesystem, das modelliert wurde, um aus etwa 1,1 GW thermischer Leistung rund 390 MW elektrische Nettoleistung zu erzeugen. Das Infinity-Two-Konzept von Type One Energy zielt auf 400 MW elektrische Leistung. Bei diesen Angaben handelt es sich um Entwurfswerte und nicht um gemessene Stromerzeugung. Keine dieser Anlagen existiert 2026 als arbeitendes Fusionskraftwerk. Dennoch zeigen die Konzepte, dass sich die Stellaratorentwicklung inzwischen deutlich über isolierte Berechnungen zur Plasmaeinschließung hinausbewegt hat. Entwickler versuchen heute, Magnete, Wärmeabfuhr, Strukturwerkstoffe, Stromversorgung, Wartungsbereiche und Anlagen zur Stromerzeugung in einem technisch konsistenten Gesamtkonzept unterzubringen. Die Geometrie der Spulen kann dabei bestimmen, ob für viele dieser Systeme überhaupt ausreichend Platz vorhanden ist.
Anpassbare Spulensysteme könnten darüber hinaus einen betrieblichen Vorteil bieten. Die Magnetfeldkonfiguration eines Stellarators wird weitgehend durch seine äußeren Magnete bestimmt. Ein System mit vielen individuell regelbaren Spulen könnte daher zusätzliche Möglichkeiten bieten, geringe Fertigungsabweichungen zu korrigieren oder das Magnetfeld für unterschiedliche Betriebsszenarien anzupassen. Dadurch könnte die Inbetriebnahme weniger stark davon abhängen, dass bereits bei der Montage eine einzige nahezu perfekte Geometrie erreicht wird. Gleichzeitig könnten Ingenieure auf Veränderungen reagieren, die erst während des Betriebs sichtbar werden. Auch hier gibt es Grenzen: Nicht jeder strukturelle Fehler lässt sich durch angepasste Ströme kompensieren, und Hunderte regelbare Spulen erfordern zusätzliche elektrische Systeme und erhöhen die Zahl möglicher Fehlerstellen. Dennoch stellt die Verbindung aus mechanischer Präzision und aktiver Magnetfeldkorrektur eine andere Konstruktionsphilosophie dar als der Ansatz, jede Spule als fest geformtes Einzelteil zu behandeln, dessen Geometrie allein das endgültige Magnetfeld bestimmen muss.
Der nächste entscheidende Schritt besteht deshalb in Hardwaretests mit zunehmend größeren und stärker integrierten Systemen. Thea Energy hat eine Formspule in voller Eos-Größe demonstriert, doch Eos muss erst noch zeigen, wie ein großes Feld solcher Magnete als komplettes Stellaratorsystem funktioniert. Proxima Fusion fertigt derzeit seine Stellarator Model Coil und möchte die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um technische Risiken zu verringern, bevor Alpha gebaut wird, ein geplanter Demonstrationsstellarator für die frühen 2030er-Jahre. Type One Energy arbeitet in Richtung des Prototyps Infinity One, dessen Inbetriebnahme derzeit für 2029 vorgesehen ist. Gleichzeitig liefert Wendelstein 7-X weiterhin die experimentelle physikalische Grundlage, an der neue Entwürfe gemessen werden können. Die Versuchskampagnen im Jahr 2026 sind besonders relevant, weil Stellaratoren ihre technische Komplexität letztlich mit dem Versprechen eines stabilen und lang anhaltenden Betriebs rechtfertigen müssen. Ein neues Magnetkonzept ist deshalb nur dann wirklich überzeugend, wenn es diesen Vorteil erhält und die Konstruktion nicht auf Kosten der Plasmaleistung vereinfacht.
Auf Reaktorebene bleiben außerdem mehrere grundlegende Fragen offen. Magnete müssen zuverlässig in der Nähe eines neutronenproduzierenden Deuterium-Tritium-Plasmas funktionieren. Komponenten mit direktem Plasmakontakt müssen extrem hohe Wärmelasten aushalten. Abgassysteme müssen Helium und Verunreinigungen aus dem Plasma entfernen. Ein kommerzieller Reaktor benötigt zudem ein praktikables Verfahren zur Erzeugung und Handhabung von Tritium. Wartungsarbeiten müssen auch dann möglich bleiben, wenn Bauteile durch Neutronenstrahlung aktiviert wurden. Das Magnetsystem müsste über lange Zeiträume funktionieren, ohne dass Stromversorgung, Kryotechnik oder elektrische Verbindungen zu unvertretbar häufigen Ausfällen führen. Eine Vereinfachung der Spulen kann diese Aufgaben erleichtern, indem sie beispielsweise mehr Platz oder einen besseren Zugang schafft, doch sie kann sie nicht allein lösen. Deshalb müssen Aussagen über zukünftige Stellarator-Kraftwerke klar von tatsächlich gemessenen Ergebnissen getrennt werden. Ein erfolgreicher Spulentest ist ein wichtiger Nachweis für ein einzelnes Teilsystem, aber noch kein Beweis dafür, dass ein vollständiges Fusionskraftwerk einsatzbereit ist.
Im Jahr 2026 beruht das stärkste Argument für den Stellarator daher nicht auf einem einzelnen spektakulären Ergebnis. Entscheidend ist vielmehr, dass mehrere Entwicklungen beginnen, sich gegenseitig zu ergänzen: Wendelstein 7-X hat die experimentelle Grundlage für optimierte Plasmaeinschließung gestärkt, HTS-Technologie ermöglicht stärkere und potenziell kompaktere Magnete, planare Spulenkonzepte prüfen, ob sich komplexe Magnetfelder mit einfacherer Hardware erzeugen lassen, und moderne Optimierungsverfahren verbinden Plasmaphysik, Magnetgeometrie und technische Randbedingungen immer enger miteinander. Nichts davon garantiert, dass ein Stellarator der erste kommerziell erfolgreiche Fusionsreaktor sein wird, und derzeit erzeugt kein Stellarator-Fusionskraftwerk netto elektrische Energie. Verändert hat sich jedoch die Art des Problems. Das komplizierte Spulensystem, das lange als unvermeidbarer Nachteil des Stellarators galt, ist inzwischen selbst zu einem wichtigen Bereich technischer Innovation geworden. Wenn sich diese neuen Konstruktionen bei Tests kompletter Anlagen, im Langzeitbetrieb und unter realistischen Wartungsbedingungen bewähren, könnte gerade die Weiterentwicklung der Magnetspulen dazu beitragen, den Stellarator von einem beeindruckenden Forschungsgerät zu einem glaubwürdigen Kraftwerkskonzept zu machen.